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Ingbert Bittelli: Deutschlands berühmtester Zugjongleur Wie kam das? Jonglieren war schon seit Jahren mein Hobby. Doch erst die Insolvenz meiner Firma machte mich zum Zugjongleur. Mein neuer Arbeitsplatz lag nämlich nahe am Bahnhof Nürnberg-Stein. Da ich noch nie begeisterter Autofahrer war, fuhr ich von Anfang an mit dem Zug zur Arbeit. Das dauert zwar fast doppelt so lange wie mit dem Auto, aber ich konnte die Zeit gut nutzen. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit in die neue Situation nahm ich meine Jongliersachen mit in den Zug und begann Ende 1998 im Fahrradabteil des Zuges zu jonglieren. Nachdem ich immer erst nach dem eigentlichen Berufs- und Schülerverkehr fahre, war das auch vom Platz her kein Problem. Was mache ich? Seit jetzt über 11 Jahre jongliere ich regelmäßig auf dem Weg zur Arbeit. Gewöhnlich schaut das heute (November 2009) so aus, dass ich um 9 Uhr mit dem Einrad von zuhause zum Neuendettelsauer Bahnhof radle, voll bepackt mit einem Pilotenkoffer - meinem mobilen Büro und meiner Reiseküche - und meinem Rucksack voller Jongliersachen. Am Bahnhof wärme ich mich kurz durch 2 Minuten Gymnastik auf und dann beginnt das Jonglieren im Zug: 10 Minuten mit 3 Bällen nur Grundmuster (Kaskade), dann 15 Minuten verschiedenste Jonglier-Routinen mit 3 bis 5 Bällen. Das reicht für den Morgen. Auf der Heimfahrt nach der Arbeit geht es dann richtig zur Sache. Für gute 50 Minuten schmeiß ich zuerst Bälle, dann Keulen und Ringe durch das Fahrradabteil. Wenn es mir zu voll ist ziehe ich mich in den Zwischenraum zwischen zwei Abteile zurück. Wenn ich dann nach etwa einer Stunde mit dem Einrad wieder zuhause ankomme, habe ich die Arbeit vergessen, oder genauer haben mein Körper die Plage des Sitzens und mein Kopf die Arbeitsprobleme vergessen. Ich bin fit für den Familienabend mit meiner Frau und unseren sechs Kindern. Was sagen die Leute? Schon bald hatten mich Presse, Rundfunk und Fernsehen entdeckt und eine zunächst lokale Koriosität aus mir gemacht, die sich inzwischen über weite Bereiche Bayerns bis hin nach Korea erstreckt. Inzwischen wundern sich meine Mitfahrer nur noch, wenn ich einmal nicht jongliere. Dann war ich meistens schon eine Stunde joggeln (jonglierend joggen). Spricht mich doch einmal jemand verwundert auf mein Zugjonglieren an, weiß ich gleich: Er oder Sie ist nicht von hier. Und ich erkundige mich, was Sie oder Ihn in diese Gegend führt. |
![]() Dank an die dpa für das Bild (Zeitungsbericht). ![]() Dank an Herrn Dürr für das Bild (Zeitungsbericht). |